Neue Mittel(rest)schule statt Gymnasium für alle

Das österreichisches Schulsystem wollte immer selektieren, nicht bilden.
Denn nicht jeder sollte zu Bildung kommen. Für den Restwar Ausbildung gut genug. Vor Jahrzehnten einmal nahm man Anlauf, um das zu ändern. Bildung für alle und echten Wettbewerb, keine Reservate für Betuchte, in denen andere Gesetze gelten als für den Rest. Nun scheitert der zweite Anlauf ebenso.
Eigentlich unglaublich, dass man erst in der Ära Kreisky daran etwas ändern wollte. Bildung für alle und Chancengerechtigkeit statt Reservate für die oberen Zehntausend, emanzipatorischer Unterricht statt Drill.
Da die Konservativen nicht gut zugeben konnten, dass sie unter sich bleiben wollten, erfanden sie das Märchen vom sinkenden Niveau. Untersuchungen zeigten zwar schon 1976, dass die gemeinsame Schule, damals als integrierte Gesamtschule bezeichnet, keine negativen Auswirkungen auf die Leistungen der guten Schüler hatte, aber darum ging es ja auch gar nicht. Es ging um einen Vorwand, den man angesichts der notwendigen Zweidrittelmehrheit für Schulgesetze gar nicht gebraucht hätte.
Diese Taktik ist bis heute erfolgreich. Bildung für wenige, Ausbildung für den Rest. Deshalb verhindert die ÖVP erfolgreich alle wesentlichen Reformschritte zu einer gemeinsamen Schule der 10 – 14 Jährigen, und natürlich eine gemeinsame vollakademische Lehrerausbildung, um die Möglichkeit dazu schon im Keim zu ersticken.
Die SPÖ redete sich damals ihr Scheitern schön und feierte die Einführung der Leistungsgruppen als Bildungsreform.
Was diese Bildungsreform für die Bildung getan hat, sieht man heute deutlich: Nun schneiden die österreichischen Schülerinnen und Schüler beim PISA – Test ausgesprochen schlecht ab. Die Wirtschaft klagt über mangelnde Kenntnisse der Grundfertigkeiten bei Lehrlingen. In einer globalisierten Welt kann man eben als attraktiver Wirtschaftsstandort nur bestehen, wenn Bildung der entsprechende Stellenwert beigemessen wird.
Der ÖVP ist das völlig egal. Man kramt das Märchen vom sinkenden Niveau aus der Schublade. Man gibt nicht zu, dass es einzig und allein darum geht, unter sich zu bleiben. Wer “Gymnasium für alle” vorschlägt, wird mundtot gemacht.
Nun kommt also die NMS. Das Gymnasium lehnt sich entspannt zurück und tut weiter wie bisher. Die SPÖ redet sich auch jetzt wieder ihr Scheitern schön – und die ÖVP gibt bei der NMS ordentlich Gas, damit nur ja niemand bemerkt, dass das Gymnasium sich nun derart auffällig ins Fäustchen lacht.
Wer löffelt diese Suppe aus? Wir Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer. Mehr Lehrer in der NMS als in der Hauptschule, das ist das einzige, was erreicht wurde. Fürs erste. Aber für immer? Glaubt jemand an das Christkind?


